#1

Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 09:47
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

Gestern abend habe ich den Fim über Frau Merkel -"Die Getriebene"- in der ARD-Mediathek angeschaut, er läuft regulär heute abend um 20.15 h.

mich hat er daran erinnert, wie schlimm es damals im internet war......und eben auch ziemlich heftig bei Tauschticket (viele von uns kommen ja aus dem Tauschticket-Forum).
während bei einem großen teil der TTler zum glück das motto war: refugees welcome, gab es doch nicht wenige, die aus angst um eigene pfründe grenzen gezogen und geschlossen hätten und sich sehr abfällig äußerten. Und man bekam eine ahnung, wie viele blaubraune unter uns waren. es gab heiße debatten und viele sperrungen.

was ist eigentlich übrig geblieben von den "die flüchtlinge werden uns das letzte brot aufessen"-Aussagen?


in diesem forum darf man ja "Snippettt" erwähnen -bei tt riskiert man eine sofortige sperrung- das sich immer drüber lustig gemacht und einige aussagen quasi konserviert hat.

https://snippettt.wordpress.com/2016/03/

genauso witzig war Tratschticket von aundp

https://tauschticket.tumblr.com/


man muss dazuschreiben, die witze werden meist nur verstanden, wenn man regelmäßig im tauschticketforum gelesen hat.

https://www.tauschticket.de/cgi-perl/for....cgi/?boardID=9






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"Die Getriebenen": Fernsehfilm über Merkel und die Flüchtlingskrise

Robin Alexanders Buch "Die Getriebenen" erzählt, minutiös recherchiert, von den Tagen rund um Angela Merkels Beschluss, die deutschen Grenzen für Flüchtlinge offen zu lassen. Nun kommt der Film dazu ins Fernsehen.

Imogen Kogge als Angela Merkel vor einer Limousine, umringt von Journalisten (Foto: ARD/rbb/Volker Roloff).

2015 war ein Schicksalsjahr für Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD. Der andauernde Krieg in Syrien löste eine der größten Fluchtbewegungen Richtung Europa aus. Merkels Diktum "Wir schaffen das" und die Entscheidung, die deutschen Grenzen für die Flüchtlinge offen zu halten, ernteten im In- und Ausland viel Zustimmung, aber auch massive Proteste. Die Auswirkungen der im Jahr 2015 gefällten Entscheidungen sind bis heute spürbar und bestimmen die öffentliche Wahrnehmung Merkels und ihrer Kanzlerschaft.

Der Politikjournalist Robin Alexander, der Merkel für die Tageszeitung "Die Welt" jahrelang als Berichterstatter begleitete, erzählt in seinem 2017 erschienenen Sachbuch "Die Getriebenen" von den Ereignissen jener Tage im Jahr 2015. Alexanders Buch wurde nach dessen Erscheinen vielfach gelobt. Die Presse war sich einig, dass er die Fakten detail- und faktenreich aufbereitet habe.

Doch es gab auch Kritik: Die "Süddeutsche Zeitung" bemängelte, der "oft prononciert konservative" Journalist Alexander lebe darin seine "Wut auf Merkel" aus, die "taz" bezeichnete "Die Getriebenen" gar als "manipulativ".
Ein stehender Mann gestikuliert und schimpft mit einem sitzenden Mann (Foto: rbb/carte blanche/Volker Roloff).

Damaliger Kanzleramtschef Peter Altmaier (Tristan Seith, rechts) konfrontiert Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière (Wolfgang Pregler) mit harten Fakten

Hybrid aus Spielszenen und News-Ausschnitten

Während der Vorwurf der Manipulation bei einem Sachbuch durchaus schwer wiegen kann, folgen Filme ganz anderen Gesetzen: Gerade Spielfilme leben von Manipulation. Insofern ist Regisseur Stephan Wagner ein Wagnis eingegangen, als er sich dazu entschied, die Motive aus der Sachbuchvorlage größtenteils als Spielszenen zu inszenieren.

Er habe Erfahrung damit, wie er in einem Statement zum Film betont: "Mein Ansatz ist, Zusammenhänge von Politik und Gesellschaft mit Schauspielern in Rollen von Personen aktueller Zeitgeschichte hautnah, menschlich nachvollziehbar, zugleich emotional spannend und sachlich akkurat mit den Mitteln der Fiktion darzustellen."

Wagner verwendet reale und emotional stark wirkende Bilder aus Nachrichtensendungen, darunter die notleidenden Flüchtlinge am Budapester Bahnhof Keleti, die enthusiastischen Helfer entlang der Marschroute und in den deutschen Bahnhöfen und die vor Wut rasenden Anti-Merkel-Demonstranten in Heidenau. Und er fügt den faktenbasierten Sequenzen fiktive Szenen hinzu, in denen vor allem Merkel (Imogen Kogge) in privaten Situationen mit ihrem Mann Joachim Sauer (Uwe Preuss) zu sehen ist.

Verblüffende Ähnlichkeiten

Meist gelingt die Abwechslung von News- und Spielszenen. Doch es gibt in "Die Getriebenen" auch Szenen, in denen Schauspieler in reale Pressekonferenzen hineingeschnitten wurden. So antwortet zum Beispiel eine "falsche" Merkel nach der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Bern einer realen Bürgerin. Das wirkt irritierend und führt dazu, dass eine seltsame Distanz zum Geschehen entsteht. Auch die Dialoge wirken oftmals gestelzt: Die Politiker reden untereinander so, als wären sie auf einer Pressekonferenz.
Imogen Kogge als Angela Merkel sitzt im Restaurant einem Mann gegenüber (Foto: rbb/carte blanche/Volker Roloff).

Angela Merkel (Imogen Kogge) holt sich Rat bei Finanzminister Wolfgang Schäuble (Rüdiger Vogler)

Das Schauspiel-Ensemble sieht seinen realen Vorbildern zum Teil zum Verwechseln ähnlich. Der souverän agierende Tristan Seith erreicht - mit einer Menge Kunststoff im Gesicht - allein schon durch Gestik und Stimmlage eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem damaligen Kanzleramtschef Peter Altmaier. Hauptdarstellerin Imogen Kogge lehnt "ihre" Merkel hingegen kaum ans Original an. Keines der hinlänglich bekannten Merkel-Klischees spiegelt sich in ihrem Spiel, nur die Frisur und die Wahl der Hosenanzüge sind Zugeständnisse.

Brillant verkörpert Josef Bierbichler den bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der Merkels Kurs ablehnt und wie ein angeschossener Löwe von seinem jüngeren Parteikollegen Markus Söder (Matthias Kupfer) attackiert wird. Auf Bundesebene lauert wiederum ein zynischer SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel (Timo Dierkes) darauf, dass die "ewige Kanzlerin" einen Fehler macht. Wolfgang Pregler spielt den kränkelnden Innenminister Thomas de Maizière als treuen Parteisoldaten, dem Merkel das Letzte abverlangt.

Merkel als Fels in der Brandung

Obwohl sich die Ereignisse um sie herum überschlagen, agiert Kogge als Merkel ganz und gar nicht wie eine Getriebene, im Gegenteil. Sie wirkt wie der Fels in der Brandung impulsiver Alpha-Männchen und lässt sich nicht zu schnellen Entscheidungen überreden. Das berühmte "Aussitzen", für das Merkel oft kritisiert wird, wirkt im Film eher besonnen denn zögerlich.
Imogen Kogge als Angela Merkel hält eine Rede (Foto: rbb/carte blanche/Volker Roloff).

"Wir schaffen das": Imogen Kogge als Angela Merkel

Dennoch bleibt unmissverständlich klar: Merkel muss sich in einer Zeit mehrerer parallel laufender Krisen (ein drohender Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, die Abhöraffäre seitens des US-Geheimdienstes NSA und die Machtkämpfe innerhalb der Koalition) mit einem gewaltigen Problem befassen, das sie und ihre Regierung offensichtlich zu lange auf die lange Bank geschoben haben. Merkel am Diensthandy, im Dienstwagen, am Tablet, das Ganze mit unheilvoll dräuender Streichmusik unterlegt: eine Darstellung des politischen Alltags in Krisenzeiten, wie man sie aus erfolgreichen Polit-Serien wie "Borgen" und "House of Cards" kennt, aber leider auch schon oft gesehen hat.

Die Probleme sind noch dieselben
Portraitfoto Stephan Wagner mit Bart und Schiefermütze (Foto: carte blanche/Volker Roloff).

Regisseur Stephan Wagner

"Die Getriebenen" arbeitet sämtliche wichtigen Aspekte der Bundespolitik jener Zeit ab. Doch es sind gerade die Momente, in denen der Film von den reinen Fakten abweicht, in denen er am stärksten wirkt. Die fiktionalen Eheszenen zwischen Angela Merkel und Joachim Sauer sind es, die dem Film seine eigene Note geben. Hier entfaltet sich ein Spiel zwischen den beiden Schauspielern, von dem man mehr sehen will und für das man als Zuschauer gerne ein paar der rein faktenbasierten Szenen geopfert hätte.

Und beim Schauen des Films fällt auf: Aus heutiger Sicht wirkt das Jahr 2015 wie eine lang vergangene Ära. Doch die Probleme sind immer noch dieselben. Während die EU-Mitgliedsstaaten angesichts der Corona-Pandemie mit sich selbst beschäftigt sind, leiden nach wie vor tausende Flüchtlinge in den Auffanglagern unter unerträglichen Zuständen. Das letzte Wort, das Imogen Kogge als Angela Merkel im Film sagt, klingt wie eine düstere Vorahnung: "Scheiße."

"Die Getriebenen" ist am 15. April in der ARD zu sehen. Das gleichnamige Sachbuch von Robin Alexander ist 2017 im Siedler Verlag erschienen.
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#2

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 11:22
von Jaga • 0 Beiträge

Ich habe den Film auch schon gesehen in der Mediathek. Er hat mich nicht übermäßig beeindruckt. Einen solchen Film brauche ich nicht, wenn die Geschehnisse gerade mal knapp fünf Jahre zurückliegen und ich diese mit Hilfe seriöser Medien intensiv mitverfolgt habe. Ich fand ihn deshalb eher leicht unterhaltsam, wie perfekt manche Schauspieler gestylt waren und dem Original aufs Haar glichen. Gerade die Hauptperson, indes, kam nicht annähernd authentisch rüber und der Seehofer ist deutlich hässlicher als das Original.
So hat der Film für mich einfach nur Erinnerungen gebracht, was diese Krise mit mir machte. Immernoch bin ich saumäßig stolz auf meinen Geliebten, der sofort begann, in einer Initiative vor Ort zu helfen. Mit einer geflüchteten Familie ist er immer noch in Kontakt und hilft bei Ämtersachen. Aber die ist inzwischen hier angekommen und braucht kaum noch Unterstützung.
Faszinierend fand ich die Vorgänge bei TT. Einerseits, wie manche, die man entweder gar nicht kannte oder anders, ihr wahres Gesicht zeigten. Das war gruselig. Aber dann die andere Sache: Dass plötzlich TTlerInnen, die sich jahrelang nicht riechen konnten, erkannten, dass sie grundsätzliche Überzeugungen gemeinsam haben und demnach auch gemeinsam an einem Strang ziehen können. Diese Charity-Aktion für Paulinchens geflüchtete Jungs, war Klasse und füllte nebenbei Gräben zwischen Menschen auf. Tja, und wie schon geschrieben, andere Gräben entstanden. Wenn nicht bodenloser Hass der Grund für ihre Standpunkte war und ist, möchte ich sie nicht verurteilen.....mit "Pack" meinte ich ganz andere Leute, trotzdem haben sich viele den Schuh angezogen und empörten sich.....es sind Menschen, bei denen die Angst als Emotion im Vordergrund steht. Und diese Emotion bringt fast immer das schlechteste im Menschen hervor....Angst kommt von Enge. Es heißt, das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Angst und die erzeugt dann erst den Hass. Liebe macht weit, lässt Mauern fallen. Angst verlegt Stacheldraht und schreckt noch nicht mal davor zurück auf Kinder zu schießen. Diejenigen, die selbst das im Bereich der möglichen Maßnahmen einbezogen haben, _das_ ist PACK.

https://www.youtube.com/watch?v=wvt03ySqQWw

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#3

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 12:03
von senta99 • 10 Beiträge

Snippettt und Tratschticket finde und fand ich immer mehr als unterhaltsam, da kann man wenigstens mal kurz über das Grauen bei Tauschticket lachen.
Faszinierend hätte ich jetzt nicht als passendes Wort gewählt, gruselig kommt dem schon viel näher.
Verschiedene Aktionen waren dort hervorragend, Ritas Einsatz für Afrika, Elisabeths für Indien und Paulinchens für "ihre" Syrer, alles grandios. Aber leider hat der Hass einiger dort (ob das jemals Angst war, weiß ich nicht, inzwischen ist es nur noch bösartiger Hass) alles kaputt gemacht.
Leider konnte man bei den ganzen Diskussionen auch feststellen, dass der ultrarechte Teil der User dort doch verdammt groß ist, damit komme ich persönlich auch nicht wirklich gut klar. Und ich habe auch gar keine Lust, in dieser Richtung an meiner Toleranzschwelle zu arbeiten ....
Ich bin heilfroh, dass dieses neue kleine Forum entstanden ist, wo wir uns von Small Talk bis zu ernsteren Themen einfach vernünftig mitteilen können.

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#4

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 12:22
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

"wie perfekt manche Schauspieler gestylt waren und dem Original aufs Haar glichen. Gerade die Hauptperson"


mein mann fragte mich auch wie der film war und ich meinte: kann ich irgendwie nicht wirklich sagen. eine richtige handlung hatte er nicht, es war ein recht wildes hin- und hergespringe zwischen den einzelnen politikern. ich habe ihn trotzdem zu ende geschaut.

das aussehen bzw. die ähnlichkeit der schauspieler mit den echten poltikern war gut gemacht, auch wer wie dargestellt wurde. besonders söder und gabriel.
das wars aber schon.



Zitat von senta99 im Beitrag #3
Faszinierend hätte ich jetzt nicht als passendes Wort gewählt, gruselig kommt dem schon viel näher.
Verschiedene Aktionen waren dort hervorragend, Ritas Einsatz für Afrika, Elisabeths für Indien und Paulinchens für "ihre" Syrer, alles grandios. Aber leider hat der Hass einiger dort (ob das jemals Angst war, weiß ich nicht, inzwischen ist es nur noch bösartiger Hass) alles kaputt gemacht.
Leider konnte man bei den ganzen Diskussionen auch feststellen, dass der ultrarechte Teil der User dort doch verdammt groß ist,




das kann ich so unterschreiben.

aber gerade diese leute konnte man zum einen oft aufgrund ihrer aussagen sperren lassen und zum anderen trauten sie sich nicht mehr so wirklich unter ihren steinen hervor, weil sie gut gegenwind bekommen haben.
das haben wir gut gemacht, das war oft reine fleißarbeit, das klappte in anderen foren nicht so perfekt und bei facebook eigentlich gar nicht.

zuletzt bearbeitet 15.04.2020 12:23 | nach oben springen

#5

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 13:42
von Jaga • 0 Beiträge

Zitat von senta99 im Beitrag #3
Und ich habe auch gar keine Lust, in dieser Richtung an meiner Toleranzschwelle zu arbeiten ....



Es ist ein Unterschied, finde ich, ob man Meinungen toleriert, die gar keine sind, sondern Geisteshaltungen, die den Werten unseres GG wiedersprechen oder ob man selber für sich entscheidet, wie man Menschen sieht, die diese Geisteshaltungen haben. Gegen rechtextreme Äußerungen: Null Toleranz! Auch insofern, dass man sich nicht auf Diskussionen einlassen sollte, denn das würde ja so aussehen, als wären es einfach nur Meinungen. Melden und Sperren....Schluss.

Gegen Menschen, die rechtsextrem ticken, ist meine Haltung differenziert. Wie Menschen zu solchen Haltungen kommen, kann ich teilweise nachvollziehen.....der Klassiker: schlimme Kindheit. Soll heißen: Wer selber in seinem Leben fast nur Hass erlebt hat, neigt eher dazu, selber zu hassen. Sorry, solche Leute, obwohl ich sie Pack nenne, tun mir vor allem Leid. Was nicht heißt, dass ich sie im Extremfall sehr gerne weggesperrt haben möchte, gerne mit Resozialisierungsmaßnahmen. Die Hoffung stirbt zuletzt, dass bei manchen noch ein Keim von Humanismus da ist, den es zu wässern gilt. Ja, und die "leichteren" Fälle, die sog. besorgten Bürger? Mei, eine gewisse Besorgnis ist ja durchaus angemessen. Definitiv nichts alles, was damals gelaufen ist und heute noch läuft war und ist optimal.Manche Sorgen und Befürchtungen waren durchaus legitim. Populistische Slogans: Lasst uns unser christliches Abendland retten! indes haben jegliche Satire getoppt. Als z.B. Pegidaleute demonstrativ Weihnachtslieder sangen...macht hoch die Tür, die tor macht weit......für die Flüchtlingsfamilie Maria, Joseph und Kleinjesus.....das war schon zum grölen.:-))

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#6

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 15:22
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

"der Klassiker: schlimme Kindheit"

meinst du wirklich, so viele eine so schlimme kindheit hatten, dass sie als erwachsener mensch eine rechtradikale partei wählen. in einem frauen- und fremdenfeindlichen land leben wollen. Nicht begreifen was rassismus, gewalt, homophobie, antisemitismus bedeutet. was soll denn da in ihrer kindheit alles schief gelaufen sein?

und jetzt frag mich nicht was die ursache ist;-) ich weiß es nicht und konnte nicht wirklich antworten finden. rassismus ist vermutlich eine charaktereigenschaft;-))

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#7

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 16:05
von Büta • 5 Beiträge

Ich glaube nicht, dass es dafür eine "schlimme" Kindheit braucht, im Sinne dass der Mensch als Kind nicht geliebt wurde, aber vielleicht eine Kindheit in einem Haushalt, wo man solche oder andere ähnlich engstirnige Ansichten hatte, wo immer nur die anderen Schuld waren, dass es einem nicht gut ging, wo man fremden Kulturen gegenüber nicht aufgeschlossen und interessiert war.

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#8

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 19:12
von Jaga • 0 Beiträge

Zitat von Kathriene von Backsbeern im Beitrag #6
"der Klassiker: schlimme Kindheit"

meinst du wirklich, so viele eine so schlimme kindheit hatten, dass sie als erwachsener mensch eine rechtradikale partei wählen. in einem frauen- und fremdenfeindlichen land leben wollen. Nicht begreifen was rassismus, gewalt, homophobie, antisemitismus bedeutet. was soll denn da in ihrer kindheit alles schief gelaufen sein?

und jetzt frag mich nicht was die ursache ist;-) ich weiß es nicht und konnte nicht wirklich antworten finden. rassismus ist vermutlich eine charaktereigenschaft;-))


Je nach Resilienz verkraftet ein Mensch eine lieblose Kindheit anders. Manche zerbrechen daran, manche geben die Lieblosgkeit weiter an ihre Familie oder die Gesellschaft, werden gewalttätig im Kopf und/oder physisch, werden Rassisten, kriminell. Und gar nicht wenige, verkraften sowas und wachsen dran. Fakt ist, dass in unserer Generation allein, unsagbar viele Menschen eine unsagbar grausame Kindheit erlebt haben. Wir sind von einer kriegstraumatisierten Generation aufgezogen worden. Ich war Anfang 20, als mir das erstmals bewusst wurde, dass meine behütete und umsorgte Kindheit nicht die Norm, sondern fast die Ausnahme war. Das war damals ein Gespräch unter etlichen Gleichaltrigen, bei dem ich die einzige war, die von keinem lang anhaltenden Kindheitstrauma erzählen konnte, abgesehen von einem 6wöchigen Aufenthalt in einem Kinderheim zur "Erholung". Da war ich vier und meine Eltern wurden vom Hausarzt dazu überredet. Es war damals soo normal, einem kleinen Kind sowas zuzumuten.:-( Mein Vater erzählte mir, dass ich nach diesen sechs Wochen vollkommen verändert war. Das waren sechs Wochen! Andere meiner Generation wurden jahrelang
geprügelt, gedemütigt, eingesperrt, mussten als Babies schreien, bis sie nicht mehr konnten. Nee, ich höre jetzt auf....:-(

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#9

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 19:57
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

"unsagbar viele Menschen eine unsagbar grausame Kindheit erlebt haben"

im vergleich zu heute, meinst du?
denn wenn du es mit der kindheit der uroma oder des urururopas und davor vergleichst, eher nicht;-)

sobald man laufen konnte war man eine arbeitskraft, kompletter gehorsam gegenüber dem vater (die mutter hatte eh nichts zu melden) ansonsten prügel und gewalt, schläge waren damals noch legitim...nicht nur vom vater, sondern vom lehrer (falls man in die schule durfte und nicht arbeiten musste) oder vom pastor. übergriffe oder sagen wir ruhig vergewaltigungen ...egal ob ehefrau oder hausmädchen wurden nicht bestraft. wer sollte sie denn anzeigen?

es gibt durch den letzten krieg schwer traumatisierte mütter und väter, man spricht sogar von kriegsenkeln, was sie durchmachen mussten habe ich in unzähligen büchern/reportagen gelesen/geschaut (das thema ist ja ein interessensgebiet von mir), aber ich glaube nicht, dass das unbedingt rassismus erklärt. also im großen ausmaß oder warum es gerade wieder so aktuell ist. weltweit

zuletzt bearbeitet 15.04.2020 19:58 | nach oben springen

#10

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 20:26
von senta99 • 10 Beiträge

Zitat von Kathriene von Backsbeern im Beitrag #9
"unsagbar viele Menschen eine unsagbar grausame Kindheit erlebt haben"

im vergleich zu heute, meinst du?
denn wenn du es mit der kindheit der uroma oder des urururopas und davor vergleichst, eher nicht;-)

sobald man laufen konnte war man eine arbeitskraft, kompletter gehorsam gegenüber dem vater (die mutter hatte eh nichts zu melden) ansonsten prügel und gewalt, schläge waren damals noch legitim...nicht nur vom vater, sondern vom lehrer (falls man in die schule durfte und nicht arbeiten musste) oder vom pastor. übergriffe oder sagen wir ruhig vergewaltigungen ...egal ob ehefrau oder hausmädchen wurden nicht bestraft. wer sollte sie denn anzeigen?

es gibt durch den letzten krieg schwer traumatisierte mütter und väter, man spricht sogar von kriegsenkeln, was sie durchmachen mussten habe ich in unzähligen büchern/reportagen gelesen/geschaut (das thema ist ja ein interessensgebiet von mir), aber ich glaube nicht, dass das unbedingt rassismus erklärt. also im großen ausmaß oder warum es gerade wieder so aktuell ist. weltweit





So sieht es aus, denn die Generation der Kriegsenkel sind unter anderen auch wir.
Auch in der alltäglichen Kriminalität finde ich diese "schwere Kindheit" etwas grenzwertig, man kann doch nicht alles damit erklären und entschuldigen, es gibt ja schließlich auch Menschen, die sich im erwachsen werden weiter entwickeln und eigenes Hirn ausbilden ....

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#11

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 21:27
von Büta • 5 Beiträge

Ich glaube, dass jedes Kind erst mal seine eigene Kindheit als Normalität sieht und viele erstaunlicht gut mit dem zurecht kommen, was vielleicht nicht perfekt ist. Ich rede jetzt nicht von Kindern, die Gewalt erfahren, das geht gar nicht. Aber Kinder, deren Mütter allein erziehend sind, Kinder, die in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen, Kinder deren Eltern die deutsche Sprache nicht beherrschen..

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#12

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 21:58
von Jaga • 0 Beiträge

Zitat von senta99 im Beitrag #10
Zitat von Kathriene von Backsbeern im Beitrag #9
"unsagbar viele Menschen eine unsagbar grausame Kindheit erlebt haben"

im vergleich zu heute, meinst du?
denn wenn du es mit der kindheit der uroma oder des urururopas und davor vergleichst, eher nicht;-)

sobald man laufen konnte war man eine arbeitskraft, kompletter gehorsam gegenüber dem vater (die mutter hatte eh nichts zu melden) ansonsten prügel und gewalt, schläge waren damals noch legitim...nicht nur vom vater, sondern vom lehrer (falls man in die schule durfte und nicht arbeiten musste) oder vom pastor. übergriffe oder sagen wir ruhig vergewaltigungen ...egal ob ehefrau oder hausmädchen wurden nicht bestraft. wer sollte sie denn anzeigen?

es gibt durch den letzten krieg schwer traumatisierte mütter und väter, man spricht sogar von kriegsenkeln, was sie durchmachen mussten habe ich in unzähligen büchern/reportagen gelesen/geschaut (das thema ist ja ein interessensgebiet von mir), aber ich glaube nicht, dass das unbedingt rassismus erklärt. also im großen ausmaß oder warum es gerade wieder so aktuell ist. weltweit





So sieht es aus, denn die Generation der Kriegsenkel sind unter anderen auch wir.
Auch in der alltäglichen Kriminalität finde ich diese "schwere Kindheit" etwas grenzwertig, man kann doch nicht alles damit erklären und entschuldigen, es gibt ja schließlich auch Menschen, die sich im erwachsen werden weiter entwickeln und eigenes Hirn ausbilden ....


Doch, damit kann man etliches erklären. Daraus folgt aber nicht, dass man Gewalttaten jeglicher Couleur oder verbrecherische Denke, wie Rassismus entschuldigt und den Tätern die Verantwortung für ihre Taten oder ihr Denken abnimmt und sie nicht bestraft. Erklärungsversuche erbringen vor allem eines: Die Bereitschaft, selbst menschliche Monster eben doch wie Menschen zu behandeln, obwohl sie selbst die Würde des Menschen mit Füßen treten, begeben wird uns nicht auf ihr Niveau. Das sind die Merkmale einer Gesellschaft und eines Staates die sich auf die Menschenrechte und das Grundgesetz berufen.

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#13

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 22:11
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

"Die Bereitschaft, selbst menschliche Monster eben doch wie Menschen zu behandeln, obwohl sie selbst die Würde des Menschen mit Füßen treten, begeben wird uns nicht auf ihr Niveau. Das sind die Merkmale einer Gesellschaft und eines Staates die sich auf die Menschenrechte und das Grundgesetz berufen."


das steht außer frage.


aber bürger, die rassistisch eingestellt sind (und z.b. afd wählen), sind ja nicht unbedingt monster, sondern vielleicht der höfliche nachbar von gegenüber oder die sympathische optikerin.

darum geht es.....wieso denken sie so wie sie denken?

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#14

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 15.04.2020 23:01
von Jaga • 0 Beiträge

Ja, Ute, dafür weiß ich auch keine Erklärung. Außer, dass es die individuelle Entscheidung jedes einzelnen Menschen ist, zu entscheiden, was Recht und Unrecht ist. Ein Mensch, der mir immer noch sehr nahe steht, ist z.B. der Ansicht, dass es besser ist, vorzugsweise notleidende Deutsche zu helfen, als allen Notleidenden ohne Ansehen der Nationalität. Das ist in meinem Augen kein Rassismus, sondern "nur" Nationalismus, trotzdem ein Standpunkt, den ich zutiefst ablehne. Dieser Mensch leugnet auch den menschengemachten Klimawandel, ein Standpunkt, der nach meiner tiefsten Überzeugung die Zukunft unserer Kinder und Enkel gefährdet. Aber dieser Mensch hat auch Kinder und vielleicht mal Enkel. Bitte frage mich nicht, was in so einem Hirn vorgeht und warum. Ich weiß es nicht. *seufz*

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#15

RE: Tauschticket, Tratschticket und Snippettt

in Klönschnack 16.04.2020 09:08
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

mit afd-versteherinnen haben wir uns bei tauschticket ja auch rumplagen müssen.


"Eure AfD-Versteherei ist klassistisch und nervt
Der Weg von Abgehängtheit zu Rassismus führt quer durchs Arschlochsein.

Von Melina Borčak 25.09.2019,

Es ist längst Zeit, zuzugeben, dass wir von rassistischen Arschlöchern umzingelt sind. Stattdessen kommt gefühlt jeder zweite Heini des Landes mit langweiliger AfD-Wähler:innen-Versteherei daher. Die würden ja nur so wählen, weil sie »abgehängt« seien, oder »aus Protest«. Und nur weil man rechtsradikale Rassisten wählt, wäre man nicht gleich rassistisch. Man muss erstmal paar Moscheen abfackeln und auch dann ist es nur »mutmaßlich« rassistisch, oder was?

Ehrlich gesagt bin ich genervt, dass ich solche Basics überhaupt erklären muss. Aber das ist sowieso ne Rant-Kolumne, also Augen auf und durch.


Mehrere Studien beweisen, dass AfD Wähler:innen überhaupt nicht abgehängt sind. Einkommen, Bildungsniveau, regionale Infrastruktur – nichts ist bei AfD-Wähler:innen auffallend anders als bei Wähler:innen anderer Parteien. Die AfD wird mit ekelerregend großen Prozentzahlen sowohl in ärmeren, als auch in reichen Regionen gewählt. Andererseits gibt es sehr arme Regionen, in denen die AfD keine großen Wahlerfolge erzielt.

Das Einzige, das sie von Wähler:innen anderer Parteien unterscheidet, ist, dass sie eher an rassistische Wahnvorstellungen von »dem Untergraben Deutschlands durch Ausländer« - Zitat Studie - glauben. Und ja, dass diese AfD-Wählende eher rassistisch sind ist nicht nur normaler Menschenverstand, sondern auch durch Studien bewiesen.


Auch bei der Ausrede, Leute würden aus Protest die AfD wählen, »um es den Altparteien so richtig zu zeigen«, müssen wir einiges beachten. Erstens, dass »Altparteien« ein von Göbbels erfundener Begriff ist, der die NSDAP positiv von den anderen abgrenzen sollte. Zweitens, dass man aus Protest auch – wie wär's damit – protestieren kann. Drittens, dass man aus Protest Die Partei, FDP oder andere Witzparteien wählen kann. Der Grund, warum sich angebliche »Protestwähler:innen« bewusst gegen Die Partei und für die AfD entscheiden ist einfach, dass sie für die AfD sind.

Bei anderen Parteien sucht man keine Erklärungen: Leute wählen SPD, Grüne oder CDU, weil sie SPD, Grüne oder CDU gut finden. Nur AfD-Wähler:innen werden als naive, unmündige Kiddies dargestellt, die nicht wissen was sie tun. Nette Kiddies, die »abgehängt« meinen, aber »Ausländer raus« wählen.

Hier wird also fehlende Intelligenz implizit mit Armut verbunden: »Die sind arm und abgehängt und haben keine Ahnung was sie tun, wenn sie Rechtsradikale wählen.« Diese Verbindung ist tief klassistisch. In Armut lebenden Menschen wurden jahrhundertelang Wahlrecht, Selbstbestimmung und Menschenrechte aberkannt, weil sie als weniger intelligent galten. Dieser historisch gewachsene Klassismus wird reproduziert, wenn man AfD-Wählende als arm und blöd darstellt. Niemandem kann entgangen sein, dass die AfD gegen Flüchtlinge, Muslime und People of Color ist – schließlich hat sie im Gegensatz zu anderen Parteien kaum ein anderes Thema. AfD-Wählende wissen ganz genau was sie tun.

Rassismus wurde von reichen Akademiker/innen
erfunden

Ein weiterer Aspekt des Abgehängtheits-Mythos ist die Annahme, dass nur arme Menschen rassistisch wären. Das ist so ziemlich das Gegenteil der Realität. Rassismus wurde von reichen Akademiker:innen mit pseudo-wissenschaftlichen Methoden erfunden und als Teil politischer und gesellschaftlicher Strukturen instrumentalisiert um Kolonialismus, Sklaverei, Kriege und Ausbeutung zu rechtfertigen. Beispielsweise stellten reiche Landbesitzer und Sklavenhalter in den USA bewusst unterschiedliche Regeln für arme Weiße und für Sklaven/innen, sowie andere People of Color auf. Damit wollten sie gemeinsame Widerstandskämpfe zu verhindern.

Auch in Deutschland sind die Anfänge des Rassismus auf Reichtum und Macht zurückzuführen: Eugenik, rassistische Gesetze, die Plünderung und Zerstörung von Kolonien, in Weltkriegen angegriffenen Ländern und Menschen, sowie später die Ausbeutung und Ausgrenzung von Vertrags- und Gastarbeiter:innen. All das war nicht die Idee von in Armut lebenden Menschen, sondern von reichen und machtvollen Gruppen, Politiker:innen und Konzernen, die durch diese kalkulierten Grausamkeiten noch reicher und machtvoller wurden.

Klar, arme Menschen können auch rassistische Verbrechen begehen (und das ist schon allzu oft passiert), aber die Basis für ihren Rassismus wurde erst durch die erwähnten Grausamkeiten erschaffen und weitergeführt. Auch bei der AfD ist klar, dass die Chefideolog:innen keine armen Menschen sind (zumindest finanziell). Beispielsweise ist die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch eine Adlige. Ihr Großvater Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk war außerdem Adolf Hitlers Reichsfinanzminister und wurde als Kriegsverbrecher verurteilt. Also keine Spur von Abgehängt.

So zu tun, als würde antirassistisches Bewusstsein mit dem Kontostand mitwachsen, ist klassistische Kackscheisse.

Aber da ich nix lieber hab, als »Argumente«, die man widerlegen kann, selbst wenn man ihren Inhalt erst einmal als Wahrheit akzeptiert – tun wir mal so als wären AfD-Wähler:innen wirklich abgehängt. Was haben dann wir Ausländer:innen mit dem ganzen zu tun?

Ich bin doch nicht höchstpersönlich durch Sachsen gelaufen um massenhaft langweilige Jobs zu klauen. Wenn ihr Migrant:innen und People of Color mit deutscher Abgehängtheit in Verbindung bringt, dann sagt doch gleich »Ausländer nehmen uns die Jobs weg!«, denn mit dieser ganzen Scheiße übernehmt ihr die Argumentation von Nazis, welche »Ausländer« für Armut verantwortlich machen. AfD-Versteherei ist also nicht »nur« klassistisch, sondern auch rassistisch (wow, was ne Überraschung).

Und selbst wenn die Abgehängtheit von AfD-Wähler:innen real wäre, Migrant:innen und People of Color sind viel abgehängter – und müssen viel mehr Scheiße ertragen. Eine kleine, spontane Kostprobe der Probleme, die uns betreffen: prekäre Aufenthaltsrechte und Abschiebungsangst, Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche und im Bildungssystem, fehlende Repräsentation und Rassismus in den Medien, NSU Terror, NSU 2.0, Brandanschläge, tägliche rassistische Gewalt, rechtsextreme Schattenarmeen in der Bundeswehr und die bloße Existenz der AfD. All das führt natürlich auch zu größerer Armut unter Migrant:innen und People of Color.

Warum gibt es keinen türkeistämmigen NSU, der durchs Land reist und Weiße ermordet?

Seid mal ehrlich: Warum gibt es trotz all dieser realen Abgehängtheit keine vietnamesischen und vietdeutschen Brandanschläge, als Rache für Rostock-Lichtenhagen? Keinen türkeistämmigen NSU, der durchs Land reist und Weiße ermordet? Keine Massendemos Schwarzer Menschen auf denen Weiße gejagt und geschlagen werden? Kein afghanisches Netzwerk in der Bundeswehr, das Mordlisten erstellt und Waffen sammelt um deutsche Zivilist:innen zu bombardieren? Und keine Partei von Flüchtlingen und Muslim:innen, die als Hauptthema und Wahlkampftaktik gegen Weißdeutsche Nichtmuslim:innen hetzt? Hmm, Marktlücken...

Rassismus mit Abgehängtheit zu rechtfertigen ist wie Sexismus mit fehlenden Versandoptionen für Fußpilzcreme zu rechtfertigen: das eine hat einfach nix mit dem anderen zu tun. Der Weg von Abgehängtheit zu Rassismus führt quer durchs Arschlochsein.

Aber gehen wir noch einen Schritt weiter in die Ausredenhölle und stellen uns vor, dass AfD-Wähler:innen abgehängt wären (sind sie nicht), und dass Abgehängtheit Rassismus produzieren würde (tut sie nicht).

Muss Jusuf sterben, weil Josef seinen Job kacke findet?

Selbst dann gilt: lebensbedrohliche rassistische Gewalt und gefühlte Abgehängtheit sind nicht annähernd auf dem gleichen Niveau des Scheißeseins. Muss Jusuf sterben, weil Josef seinen Job kacke findet?

Nachdem wir geklärt haben, dass AfD-Versteherei nicht nur faktisch falsch, sondern auch klassistisch und rassistisch ist, kommen wir zum Hauptproblem: Gefährdung von Menschenleben.

Es gibt jeden Tag rassistische Angriffe gegen Menschen, Moscheen, Flüchtlingsheime. Wer offenen Rassismus und beste Verbindungen zur Neonazi-Szene nicht als Deal-Breaker empfindet und sich bewusst dazu entscheidet, die Leben von marginalisierten Menschen noch mehr zu gefährden, indem er*sie der AfD institutionelle und gesellschaftliche Macht gibt, ist rassistisch. Ja, so einfach ist es. Nein, ich muss und werde nicht zwischen verschiedenen Stufen des Naziseins differenzieren, während mein Leben gefährdet wird.

Alle, die mit ihrer AfD-Versteherei den Kampf gegen die AfD sabotieren, machen sich mitschuldig. Also hört auf - oder gebt zu, dass ihr nicht viel besser seid, als die, die ihr verharmlost."

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