#1

Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 09.03.2020 14:45
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

Am 11. März erscheint das Buch

Prinzessinnenjungs von Nils Pickert, in dem er darüber schreibt was passiert , wenn papa und sohn im rock durch die fußgängerpassage laufen. wer bei Pinkstinks ist, bekam schon mal vorab etwas zu lesen.....bitteschön:





Wie wir unsere Söhne aus der Geschlechterfalle befreien
Paperback, 254 Seiten
ISBN:978-3-407-86587-8
Erscheint am 11.3.2020
im Beltz Verlag

Vielfalt für Alle
Mein 5-Jähriger und ich sind für diese Sache ziemlich hart angegangen worden. Noch bevor ich mich dazu entschied, auf einige Anfragen zu reagieren, war sein Verhalten in Internetkommentaren mit dem von Kindern verglichen worden, die schlagen, spucken, gar in der Öffentlichkeit auf den Boden kacken – immer mit der rhetorischen Frage verbunden, wer so etwas seinem Kind erlauben würde. Mir hingegen wurde vorgeworfen, dass ich einen Medienstunt auf Kosten meines Sohnes produzieren würde, um mich in den Vordergrund zu spielen. Dass ich meine eigene latente Homosexualität durch ihn ausleben würde. Oder dass ich einfach zu schwach wäre, meinem Sohn klare Grenzen darin zu setzen, was richtig und was falsch ist. Ist das so? Ist es falsch für einen Jungen, Röcke und Kleider zu tragen? Oder meinetwegen auch ein rosa Laufrad zu fahren, sich die Haare lang wachsen zu lassen und von glitzernden Einhörnern zu träumen. Ist das wirklich eine Art Fehlverhalten, das nicht toleriert werden sollte? Was genau wäre an dieser Stelle meine Aufgabe als Vater gewesen, der ich angeblich nicht nachgekommen bin?
Die für mich bemerkenswerteste Antwort darauf fand der britische Journalist Jake Wallis Simons. Anhand der Rockgeschichte überlegte er in einer Kolumne, wie er mit einer solchen Situation umgehen würde, und kam dabei zu dem Schluss, dass er ein solches Verhalten zwar unterstützen, aber nicht fördern würde. Simons weiß, wovon er spricht. Ein Jahr vor Erscheinen meines Artikels wurde seinem Cousin Philip Sallon, einem bekannten britischen Aktivisten für die Rechte von Homosexuellen, auf offener Straße der Schädel eingeschlagen. Er überlebte den Anschlag knapp. Simons ging es in seinem Kommentar also nicht darum, mich mit Dreck zu bewerfen, Homosexualität verächtlich zu machen oder mir irgendwelche unlauteren Motive zu unterstellen. Stattdessen ging es ihm darum, genau die begründeten Sorgen zu äußern, die viele Eltern von Prinzessinnenjungs haben: Wie schütze ich meinen Sohn vor Anfeindung, Ausgrenzung und Gewalt? Für Simons war wichtig, in notwendig und überflüssig zu unterscheiden. Wenn mein Junge den Drang verspürt, Röcke und Kleider anzuziehen, und sich überhaupt nicht dagegen wehren kann, dann müsste selbstverständlich alles getan werden, um ihn zu unterstützen. Wenn das aber erkennbar nur eine Phase ist oder gar ein einmaliges Ausprobieren, dann sollte man davon Abstand nehmen, ihn in der Öffentlichkeit als jemanden zu markieren, der gerne Röcke und Kleider trägt. In meinen Augen liegt Simons damit so richtig wie falsch. Selbstverständlich ist es wichtig, sich der Realität zu stellen und nicht so zu tun, als wäre alles eitel Sonnenschein, in den ein berockter Junge ungestört und unbelästigt hinaustreten kann. Sich der Realität stellen bedeutet aber auch, anzuerkennen, dass es niemals ganz gelingen wird, sich einer gewalttätigen, sexistischen Gesellschaft so anzupassen, dass auf keinen Fall etwas passieren kann. Ein Junge, der zeit seines Lebens augenscheinlich komplett dem vorherrschenden Ideal von Männlichkeit entspricht, kann in der Pubertät ohne Weiteres von jemand anderem als unmännlich markiert werden und entsprechende Repressionen erleiden. Womöglich wird er dabei sogar von einem Freund denunziert, der selbst Schwierigkeiten damit hat, seine eigene Identität mit den aktuellen Männlichkeitsvorgaben in Einklang zu bringen. Der Fehler liegt im System. Nicht daran, dass sich ein Prinzessinnenjunge nicht ausreichend tarnt. Auch nicht daran, dass ihm von seinen Eltern seine Prinzessinnenhaftigkeit nicht ausreichend verleidet und ausgetrieben wurde. Die Ansage: »So benimmt sich kein Junge« hilft niemandem weiter und sollte niemandes Aufgabe sein. Sie folgt lediglich der Logik, dass mindestens einer im Männlichkeitskarussell verlieren muss. Auf mindestens einen muss mit dem Finger gezeigt werden, weil die ganze Männlichkeitskonstruktion so fragil, so widersprüchlich ist, dass ihr eigentlich niemand vollumfänglich entsprechen kann. Eine kleine Abweichung, eine leichte Asymmetrie genügt schon, um ein Gefühl zu erzeugen, den Anforderungen an männliche Geschlechtsidentität nicht zu genügen. Und um nicht selbst dran glauben zu müssen, werden andere haftbar gemacht und sollen bluten.
Guck mal, der spielt mit Puppen.
Iiiih, der trägt ja Mädchenfarben.
Schau, der läuft im Kleid rum.
Das Besondere an Männlichkeit ist dabei nicht, dass sie als Gruppenzugehörigkeitsmerkmal durch Abgrenzung funktioniert: Wir sind männlich und du nicht! Das gilt nämlich für alle Gruppen. Männlichkeit zeichnet sich jedoch darüber hinaus in besonderer Weise durch Denunziation aus. Durch die Unterstellung, dass ein Junge oder Mann nicht dazugehört. Der Vorwurf der Unmännlichkeit gleicht einer von Männlichkeit ausgehenden Verschwörungstheorie. Männlichkeit scheint stets von Unterwanderung bedroht, von der Aushöhlung durch weibische Umtriebe. Kaum einmal ist sie sich selbst genug. Sie genügt sich erst, indem sie andere für ungenügend erklärt. Simons argumentiert, dass wir uns an die Regeln halten und das Spiel erst dann ändern sollten, wenn ein besonderer Mitspieler am Tisch sitzt. Beispielsweise ein Junge, dessen Identität so außergewöhnlich ist, dass sich seine Andersartigkeit nicht verbergen lässt – nur dann müssten sich alle extra viel Mühe geben. Ich würde argumentieren, dass es nicht unsere Aufgabe sein kann, Jungen dazu zu befähigen, dieses Spiel besonders gut mitzuspielen. Vielmehr ist es an der Zeit, die Regeln zu hinterfragen und sie dahingehend zu ändern, dass niemand leiden muss, um einem überkommenen Männlichkeitsideal zu genügen. Denn es ist höchste Zeit, sich mehr für das Wohl von Jungen und Männern zu interessieren.
Also, was tun? Was machen wir mit unseren langhaarigen, pinkbegeisterten Jungen, die sich auf dem Flohmarkt in ein Eiskönigin-Elsa-Kleid verlieben und im Drogeriemarkt gerne ein paar Haarspangen kaufen wollen? Erklären wir ihnen, dass sie diese Facetten ihrer Identität lieber zu Hause ausleben, weil draußen ja etwas passieren könnte? Oder fangen wir an, dafür zu sorgen, dass ihnen dafür nichts mehr passiert? Ich bin für Letzteres. Ich bin für Vielfalt für alle. Dabei will ich Ihnen nicht vorschreiben, das zu tun, was ich getan habe. Vieles davon war einfach Zufall und dem Gefühl geschuldet, dass ich es mir leisten kann. Stattdessen möchte ich Sie dazu auffordern, zu tun, was Sie können. Und das ist eine ganze Menge. Geben Sie Gegenständen, Farben und Verhaltensweisen kein Geschlecht. Erzählen Sie Ihren Söhnen nicht, dass dieses oder jenes nur für Mädchen sei und sich für Jungen nicht schicke. Werten Sie Weiblichkeit nicht ab und zwingen Sie Jungen nicht dazu, Weiblichkeit abzuwerten, um Ihr Wohlwollen oder Ihre Kameradschaft zu erringen. Immerhin bilden wir uns als Gesellschaft viel auf Authentizität ein und beglückwünschen Menschen dazu, »sich nicht verbiegen zu lassen«. Darum geht es. Nicht etwa darum, Jungen in eine uniforme, genderneutrale Gesellschaft zu biegen, sondern darum, endlich damit aufzuhören, an ihnen herumzuzerren, damit sie in stereotype Geschlechterrollen passen. Genau das tun wir immer noch so oft. Auf Biegen und Brechen.
Wenn Sie keine Lust haben, sich die Nägel zu lackieren und mit Ihren Prinzessinnenjungs eine Teeparty zu schmeißen, dann lassen Sie es. Aber brechen Sie ihrem Sohnemann nicht das Herz, wenn er sich zum Geburtstag ein rosa Fahrrad oder einen lila Rock wünscht. Und wenn andere Kinder ihn deshalb angehen, weil Röcke nichts für Jungen sind und Rosa angeblich eine Mädchenfarbe ist, dann stellen Sie das richtig:
Ein Rock ist ein Rock ist ein Rock ist ein Rock. Und Rosa und Pink sind für alle.

zuletzt bearbeitet 09.03.2020 14:59 | nach oben springen

#2

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 09.03.2020 14:47
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

Gibt es noch jemanden (zu jaga blicke), der den Film immer noch nicht gesehen hat?

Suffragette

https://www.youtube.com/watch?v=pBwfQ_ClFiU

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#3

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 09.03.2020 22:05
von Jaga • 0 Beiträge

Klar habe ich den Film schon gesehen.

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#4

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 10.03.2020 12:38
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

https://www.arte.tv/de/videos/093002-001-A/xenius-moos/

ein kollege wurde von einem Fernsehteam begleitet.



"Fernsehteam begleitet LWK-Experten bei "Detektivarbeit"


Dr. Karsten Mohr ermittelt die in der Luft enthaltenen Schadstoffe anhand von Moos-Analysen. 2005 verzeichneten die Forscher eine enorme Chrombelastung der norddeutschen Moose.




Dr. Karsten Mohr im arte-Beitrag über das Moos - © Jantje Ziegeler
Oldenburg - Bei seiner „Detektivarbeit“ ist kürzlich Dr. Karsten Mohr, Umweltschutzexperte bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, von einem Fernsehteam begleitet worden: Für den arte-Beitrag „Xenius: Moos – So können wir seine Superkräfte nutzen“ hat er seine Arbeiten mit Moosen als Luftschadstoff-Messgeräte vorgestellt.

Moose ernähren sich anders als andere Pflanzen nämlich nicht über den Boden, sondern erhalten ihre Nährstoffe aus der Luft. Dabei nehmen sie auch die dort enthaltenen Schadstoffe auf. Um zu erfahren, wie stark die Luft belastet ist, hat Karsten Mohr Moosproben in einem Moor in der Nähe von Oldenburg gesammelt, wie in dem Fernsehbeitrag zu sehen ist.

Die Forscher interessieren sich für die giftigen Schwermetalle wie Blei, Kupfer oder Chrom. Nur der grüne bis leicht bräunliche Teil der Moose ist für die Analyse relevant; an diesem Teil spiegelt sich ein Zeitraum von etwa zwei bis drei Jahren wider. Das Moos wird getrocknet, zu Pulver zermahlen und anschließend auf eine Vielzahl von Schadstoffen chemisch analysiert.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Winfried Schröder von der Universität Vechta hat Karsten Mohr dann die Ergebnisse interpretiert. Zwar ist die Schwermetallbelastung seit Beginn der Versuche 1990 stark zurückgegangen; 2005 verzeichneten die Forscher aber plötzlich eine enorme Chrombelastung der norddeutschen Moose. Winfried Schröder vermutet den Grund dafür in russischen Stahlwerken. Inzwischen seien die Werte aber wieder im grünen Bereich."









Nicht Moos, aber Moor und auch sehr empfehlenswert:


Magie der Moore

https://www.bing.com/videos/search?q=mag...02CE6&FORM=VIRE

zuletzt bearbeitet 10.03.2020 13:31 | nach oben springen

#5

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 10.03.2020 13:46
von senta99 • 10 Beiträge




Aber zu den Prinzessinnen-Jungs .... ich habe ja nun keine Kinder, aber puh, das stelle ich mir doch verdammt schwer vor. Auch heute noch, im ach so modernen 21. Jahrhundert. Will man nicht automatisch ein möglichst sorgenfreies Leben für sein Kind? Ist es nun schlimmer, wenn man recht früh etwas - ja, wie sagt man das - ins Naturell eingreift um anzupassen oder wenn man sein Kind durch die harte Schule von Anfeindungen und vielleicht Gewalt schickt?

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#6

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 12.03.2020 09:28
von Maluk • 0 Beiträge

Zitat von Kathriene von Backsbeern im Beitrag #2
Gibt es noch jemanden (zu jaga blicke), der den Film immer noch nicht gesehen hat?

Suffragette

https://www.youtube.com/watch?v=pBwfQ_ClFiU


Ich noch nicht. Sollte man?

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#7

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 12.03.2020 11:21
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

Zitat von Maluk im Beitrag #6
Zitat von Kathriene von Backsbeern im Beitrag #2
Gibt es noch jemanden (zu jaga blicke), der den Film immer noch nicht gesehen hat?

Suffragette

https://www.youtube.com/watch?v=pBwfQ_ClFiU


Ich noch nicht. Sollte man?




UNBEDINGT!;-))

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#8

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 14.03.2020 17:48
von Maluk • 0 Beiträge

Bei TT bieten sie den Film für 3 Tickets an.

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#9

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 14.03.2020 20:13
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

Ab Mittwoch in der ARD: Unsere wunderbaren Jahre von Peter Prange

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#10

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 15.03.2020 10:30
von senta99 • 10 Beiträge

Oha! Mal schauen, ob wir dafür unsere TV-Fastenzeit abbrechen. Denn eigentlich gilt für die Monate hier: kein Auto fahren, kein Fernsehen.

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#11

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 15.03.2020 19:58
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

weil wir gerade bei Whatsapp das Thema hatten, hier noch mal einen DVD-Tipp:

Monsanto - mit Gift und Genen

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#12

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 16.03.2020 09:28
von Maluk • 0 Beiträge

Zitat von Kathriene von Backsbeern im Beitrag #9
Ab Mittwoch in der ARD: Unsere wunderbaren Jahre von Peter Prange


Habe ich just erst gelesen ähhh bzw. als Hörbuch gehört. Den Film werde ich mir auf jeden Fall ansehen.

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#13

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 17.03.2020 18:17
von senta99 • 10 Beiträge

Der Hausherr hat sich gegen TV entschieden, lieber noch draußen sitzen solange es geht.

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#14

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 17.03.2020 20:23
von Kathriene von Backsbeern • 23 Beiträge

Zitat von senta99 im Beitrag #13
Der Hausherr hat sich gegen TV entschieden, lieber noch draußen sitzen solange es geht.



Da könnt ihr auch prima in der mediathek schauen, wenn ihr in nrw ausgangssperre habt;-))

zuletzt bearbeitet 17.03.2020 20:24 | nach oben springen

#15

RE: Lesen, hören, schauen

in Klönschnack 18.03.2020 10:52
von senta99 • 10 Beiträge

Stimmt ja, gute Idee!

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